Eingang des Schlosses Mondsee mit historischer Fassade und offener Toranlage
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Herrschaften, Ländereien und die amerikanische Armee

Vom zweiten Weltkrieg bis zum heutigen Schlosshotel Mondsee

Bruno Gritzky, weißhaariger Gentleman und Präsident des örtlichen Rotary Clubs, hat als Kind beobachtet, wie sich eine lange Panzer- und Wagenkolonne der Marktgemeinde nähert. Es ist Sommer 1945, als US-Truppen nach gewonnenem Weltkrieg Schutz für ihre vielen Fahrzeuge suchen. Höflich, aber bestimmt parken sie ihre gepanzerten Wagen in den Stallungen des Schlosses – die alten, noch von Pferden gezogenen Heuwagen müssen weichen. Eine quirlige und laute, sehr beeindruckende Szene, erzählt Gritzky, und erinnert sich an die vielen Süßigkeiten, die sie als Kinder von den amerikanischen Soldaten geschenkt bekommen haben.

Schon in den Jahren zuvor ist er häufig im Schloss zu Besuch: Sein Großvater Johann Diesenreiter, Ökonomierat und zehnfacher Vater, ist hier Gutsverwalter, ein strenger Chef für die mehr als 50 Bediensteten des riesigen Landwirtschaftsbetriebs. Damit verdienen die „Herrschaften“, wie sie in der Gemeinde ehrfurchtsvoll genannt werden, ihr Geld. 1905 änderte sich der Name der Grafen und Gräfinnen, aber natürlich bleibt es in der Familie: Helena von Wrede hatte den königlich-bayerischen Kämmerer Carl August Graf von Almeida geheiratet.

Die weiträumigen Schlossbesitzungen bilden einen eigenen Kosmos in Mondsee: Ausgedehnte Felder und werden von hier bewirtschaftet – vom Irrsee bis hinauf zur Eisenau – dazu Gemüse- und Kräutergärten, überall sind Mägde und Knechte bei der Arbeit. Im Schloss selbst ist das Leben zweigeteilt: Der vordere Teil mit seinem gepflegten Schlosshof wird von den Almeidas und ihren hohen Gästen bewohnt, im Flügel des heutigen Hotels befindet sich ein
großer Weinkeller und die Meierei. Fast rund um die Uhr wird hier gekocht, gebacken, gebuttert, eingemacht, aus den Fenstern duftet es herzhaft. In der Mitte des Wirtschaftsgebäudes biegt sich ein riesiger Tisch unter der Last einfacher, aber schmackhafter Kost der Meierin – eine Art Kantine für die vielen Bediensteten.

Aus einem anderen Gebäude, dem heutigen Rathaus, ist lautes Hämmern zu hören – der Hofschmied und sein Gesinde kümmern sich um die vielen Pferde, untergebracht in den ausgedehnten Stallungen am Ende des heutigen Parkplatzes. Die zwei feinen Kutschen der Herrschaft – eine davon in schwarz, für Beerdigungen – und die Leiterwagen stehen in einer großen, überdachten Remise. Dazwischen jede Menge Hunde, Katzen, Hühner – und natürlich die vielen spielenden Kinder. Häufig dabei: die jungen Almeidas, allerdings standesgemäß angezogen und immer adrett, wie sich Gritzky erinnert. Während die Kinder noch gemeinsam spielen, besteht zwischen den Almeidas und der Mondseer Bevölkerung eine unsichtbare Barriere. Die prachtvollen Räume im vorderen Schlossteil sind Tabu, lediglich sonntags, nach der Messe, werden honorige Bürger und – natürlich – auch der Pfarrer auf eine Tasse Kaffee in die Salons gebeten.

Leidenschaft und sehr viel Geld: Dank KR Hans Asamer wird das Schloss renoviert

Nach dem Krieg kann man an die Erfolge der letzten Jahrhunderte nicht mehr anknüpfen. Die Landwirtschaft verändert sich durch neue Technologien und die ersten Anzeichen der Globalisierung, die Almeidas müssen nach und nach ihre Grundstücke verkaufen und vor allem Personal entlassen. 1985 schließlich wechselt der inzwischen ziemlich verwahrloste Gebäudekomplex seinen Besitzer. Der neue Inhaber, der erfolgreiche Unternehmer KR Hans Adamer hatte
eine Vision. Er wollte aus dem Schloss ein Juwel machen und investierte in das geschichtsträchtige, aber marode Anwesen. Nach mehreren Jahren Umbauzeit entsteht das heutige Ensemble aus Schlosshotel, Pfarramt, der Mondseer Musikschule, mehreren Konzert- und Ausstellungsräumen, zahlreichen Geschäften, einigen privaten Wohnungen sowie dem Standesamt. Wenn heute die feinen Klänge der längst weltweit bekannten Mondseer Musiktage durch die langen und elegant möblierten Schlossgänge schweben, in stillen Momenten sogar bis hinauf in die Häuser am Hang, wenn im ehemaligen Kreuzgang feine Spezereien, Weine und Kunsthandwerk feilgeboten werden und moderne Kunst wie historische Museumsstücke ihre spannenden Geschichten erzählen, wenn Gäste aus aller Welt Ambiente und Küche des eleganten Schlosshotels genießen – dann wird allen Besuchern implizit deutlich: Hier, im Mondseer Schloss, findet seit fast 1.300 Jahren ein ununterbrochen buntes und an Geschichten reiches Leben statt, das in einer dunklen Nacht, irgendwo an der Drachenwand, seinen folgenschweren Anfang nahm.

©Rüdiger Niemz

2014 geht das Schlosshotel Mondsee dann mitunter an die heutigen Chefs des Hauses: Hanni Schweighofer und Gerald Kienesberger. Auch seit dem hat sich wieder Vieles getan. Das Hotel beherbergt zwei Restaurants, eine Bar, den 2023 teils neu renovierten Monasterium SPA, 58 Zimmer und zudem 6 exklusive Suiten mit den klingenden Namen Almeida, Odilo, Fürstin Wrede, Benedikt, Tassilo und Mondsee. Sie sehen schon, auch hier ist die Geschichte allgegenwärtig.

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